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Trine Borum Bojsen, Dong: "Vor fünf Jahren hätten wir niemals gedacht, bald schon 8 MW Anlagen zu haben"

Apr

28

2015

Interview Teil 2 | zu Teil 1

Sie plädieren für mehr gemeinsame Standards in der Offshore-Industrie. Der Wunsch ist so alt wie unerfüllt. Warum glauben Sie, dass das nun eingelöst werden kann?

Weil es sich ändern muss, um die Kosten zu senken.

Wenn wir weiter jeden Windpark als Einzelanfertigung realisieren, werden wir die Kosten nicht senken.

An welche Standards denken Sie im Einzelnen?

Wir sollten die internationalen IEC Standards für Windturbinen konsequent anwenden, das geschieht in Deutschland bisher nur teilweise.

Was würde das im Einzelnen bedeuten?

Das bedeutet, dass wir möglichst wenig Länder-spezifische Ausnahmen brauchen, damit internationale Standards greifen können.

Eine Sache, die inzwischen etwas unfreiwillig standardisiert wurde, sind die Offshore-Turbinen – jedenfalls könnte man das so sehen, da Siemens zuletzt einen Marktanteil in Deutschland von 89 Prozent hatte. Was macht Siemens für einen Kunden wie Dong so attraktiv?

Vor allem ist es für Dong wichtig, dass wir mehrere Anbieter haben. Sonst gibt es keine Konkurrenz.

Alles andere wäre nicht gesund für den Markt. Es gibt neben Siemens noch eine Reihe relevanter Anbieter und wir haben uns bei einem Projekt in Großbritannien gerade für die neue Vestas 8-MW Turbine entschieden.

Dennoch: Woher kommt dann der erstaunliche Erfolg von Siemens?

Siemens hat vor Jahren die dänische Firma Bonus gekauft, die ein Pionier in diesem Geschäft war. Daher kommt die Kompetenz, vermutlich ist Siemens deshalb heute so stark. Wenn ein Windparkbetreiber eine größere Zahl an Multimegawattturbinen ausschreibt, braucht er auch die Sicherheit in der Lieferkette und Qualitätsgarantien. In den Ausschreibungen, die Siemens gewinnt, haben sie offenbar das beste Angebot mit Blick auf Qualität, Lieferzeitpunkt und Preis gemacht. Und so werden Vergaben nun mal entschieden.

Können die anderen Firmen da noch mithalten?

Wir sind froh, dass Vestas sich jetzt an unseren Ausschreibungen in Großbritannien beteiligt und hoffen, dass noch mehr Lieferanten dazu kommen.

In dem Projekt Gode Wind hat Dong sich erneut für die 6 MW Maschinen von Siemens entschieden. Ist die Zeit der 3 bis 4 MW Anlagen Offshore schon vorbei?

Mit Blick auf das Kostensenkungspotential kann es mehr Sinn machen, größere Turbinen zu nehmen, wenn dabei die Installationskosten reduziert würden. 

Dong hat angekündigt, die Siemens 7 MW Anlage im Projekt Walney Extension einzusetzen und dann auch die Vestas 8 MW Turbine. Welches sind die Stärken und Schwächen der beiden Anlagen?

Wir testen diese Anlagen zusammen mit den Herstellern, so wie wir das auch mit den Siemens 6 MW Anlagen für Gode Wind getan haben. Die 7 und 8 MW Klasse wird aber erst 2018 bis 2020 eingesetzt. Da ist also noch ein bisschen Zeit für ganz genaue Untersuchungen.

Wie genau ändern sich die Kosten beim Übergang von einer 3,6 zur 6 MW Anlage oder auch zu den jetzt vorgestellten 7 Turbinen von Siemens und der 8 MW Anlage von Vestas?

Wir hätten natürlich gerne auch bei den Turbinen geringere Kosten je MW. Aber so läuft es leider nicht. Dafür haben wir weniger Fundamente, weniger Infrastruktur und weniger Installationen. Auch daher werden die Kosten sinken.

Gibt es eine Faustformel, wie stark die Kosten bei doppelter Turbinenleistung sinken?

Diese Zahlen behandeln wir vertraulich.

Ist heute schon eine ideale Turbinen-Größe, seien es nun 10 oder 15 MW, absehbar?

Vor fünf Jahren hätten wir niemals gedacht, bald schon 8 MW Anlagen zu haben. 10 MW sind daher im Moment ein realistisches Ziel. Aber ob die Technik da stehen bleibt, kann niemand sagen. Die Entwicklung ist noch nicht am Ende.

Nach welchem Konzept werden Sie Service und Wartung an ihren Deutschen Offshore-Windparks durchführen?

Von Norden-Norddeich aus werden wir Borkum Riffgrund 1 und Gode Wind 1 und 2 warten. Während der Gewährleistungszeit übernehmen das auch noch die Hersteller und nach einer gemeinsamen Phase übernehmen wir Service und Wartung komplett selber.

Wir haben Turbinen-Mechaniker aus der Region eingestellt und werden sie ausbilden, um die Anlagen in den kommenden 25 Betriebsjahren zu warten.

Warum machen Sie Service und Wartung selber?

Für uns ist es sehr wichtig, eigene praktische Erfahrung mit den Windparks zu haben. Nur so können wir aus dem Betrieb für die Planung und den Bau kommender Parks lernen. Dazu kommt, dass wir dann auf Störungen so reagieren, wie es für unseren Betrieb am besten ist. Wenn etwas nicht funktioniert entscheiden wir selber: Da fährt jetzt sofort jemand raus und repariert es – oder auch nicht. Diese Flexibilität und das Knowhow senken die Kosten

Was ist ihre erste Option: Schiffe oder Helikopter?

Wichtig ist Flexibilität. Wenn die Wetterfenster nur einen schnellen Zugang per Helikopter zulassen, dann muss der Helikopter verfügbar sein. Sonst kann man das Schiff nehmen. 

Wie machen Sie es bei den deutschen Projekten, die ja nur 50 Kilometer voneinander entfernt liegen?  

Wir haben eigene Transportschiffe für die Service-Teams. Derzeit testen wir ein neues Schiff mit speziellem Ausgleich  bei hohen Wellen. Denn wir können es uns nicht erlauben, dass an den Windrädern nach einer oder zwei Stunden Fahrt seekranke Monteure ankommen. Die Helikopter stehen vor allem für Zeiten zur Verfügung, in denen das Wetter schlecht ist und die Zeitfenster zu klein für die Überfahrten sind.

Wie hoch werden bei Ihren Parks in der deutschen Nordsee die Betriebskosten je Megawatt sein?

Auch das sind vertrauliche Geschäftszahlen.

Dong Energy will bis 2020 von heute 4000 MW installierte Offshore-Leistung auf 6500 MW kommen. Welche Parks werden als nächstes gebaut?

Wir haben eine Projekt-Pipeline, die weit über 6500 MW hinaus geht. Aber welche Parks zuerst gebaut werden, muss der Aufsichtsrat von Dong entscheiden.  Einige Projekte werden in Großbritannien realisiert. Borkum Riffgrund 2 ist in der Entwicklung und es wäre mein persönlicher Wunsch, dass der Windpark in der nächsten Runde realisiert wird.

Was behindert den Ausbau der Windkraft auf See in Deutschland im Moment noch?

Offshore-Wind ist nicht immer ein bloßer Spaziergang, aber wir glauben an die Technik, auch in Deutschland. Die Herausforderungen bei Borkum Riffgrund1 wie  die Verzögerung in der Netzanbindunghaben wir inzwischen überwunden. Der Bau von Gode Wind 1 und 2 beginnt jetzt und ist im Plan.

Was ist ihr wichtigster Rat an die Politik?

Sie darf die Ausbauziele nicht senken. Denn wir brauchen Volumen um billiger zu werden. Deutschland hat wunderbare Windverhältnisse, hervorragenden Baugrund im Meer und darum kann Deutschland auf See sehr viel Strom produzieren. Wenn die Ziele hoch gesteckt  werden, dann ist das auch der beste Weg, um die Kosten der Windenergie auf See zu senken.

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