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Strompreise: Industrie lässt Verbraucher im Regen stehen

Okt

22

2015

Deutschland will die grüne Energie und hat dafür das Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien (EEG) verabschiedet, das auch die Höhe der sogenannten EEG-Umlage regelt, mit der die Energiewende finanziert werden soll.  Zum Sündenbock für den inzwischen starken Anstieg der Umlage erklärt man die Anlagenbetreiber und die steigende Produktion von Ökostrom, dabei treiben ganz andere Kosten die Umlage in die Höhe.

Von 2010 bis 2015 ist der Ökostromanteil am deutschen Strommix um 50 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum hat sich die EEG-Umlage aber verdreifacht, denn die Förderung der erneuerbaren Energien macht nur noch einen kleinen Teil der EEG-Umlage aus. Laut Strom-Report.de treiben vor allem Fremdkosten, wie die gefallenen Großhandelspreise an der Strombörse und die Befreiung vieler Industrieunternehmen von der Umlage, die Kosten in die Höhe - zulasten der Verbraucher und kleinerer Unternehmen.

Was treibt die Kosten?

Größter Kostentreiber für die steigende EEG-Umlage ist der fallende Preis an der deutschen Strombörse, wie Energieexperten des Bundesverbandes Erneuerbare Energien [BEE] errechneten. 2010 lag der Großhandelspreis für Strom an der Börse noch bei 5,82 Cent/kWh. Fünf Jahre später, bei nur noch 4,21 Cent/kWh. Der Rückgang des Börsenstrompreises verursacht mittlerweile fast ein Viertel der Umlagekosten - Tendenz steigend, denn der Börsenpreis fällt 2015 weiter.

Auch die Privilegien, die die Industrie genießt, treiben die Kosten für die Umlage in die Höhe. Energieintensive Unternehmen profitieren hier gleich doppelt. Zum einen von den gesunkenen Strompreisen an der Börse und zum anderen sind sie zu großen Teilen von der EEG-Umlage befreit. Der Anteil der Industrieförderung hat sich seit 2010 fast verdreifacht und macht bereits ein Fünftel der Umlagekosten aus.

Wer zahlt die Zeche?

Die normalen - nicht privilegierten - Stromverbraucher entlasteten die Unternehmen im Jahr 2014 mit 4,8 Milliarden Euro und subventionierten so die großen Industriebetriebe mit 1,15 Cent pro Kilowattstunde. Die Durchschnittsfamilie mit einem Jahresstromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden zahlte 2014 knapp 220 Euro Ökostrom-Umlage, davon entfielen rund 40 Euro auf Industrie-Rabatte. 

Die Industrie stiehlt sich zunehmend aus der Verantwortung. Die Zahl der befreiten Unternehmen hat seit 2014 noch einmal zugelegt. Nach aktuellen Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) haben in diesem Jahr 2.154 Unternehmen einen Antrag zur Unterstützung bei den Energiekosten eingereicht.

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