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Soziale Polarisierung in deutschen Städten

Dez

11

2007

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Einleitung:

In dieser Arbeit sollen das Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - Die Soziale Stadt“ sowie eine lokale Einrichtung, die im Rahmen der Umsetzung des Konzeptes in Göttingen-Grone einen Akteur in Form eines Vereines darstellt, thematisch behandelt werden.

Das Programm stellt einen neuen konzeptionell sehr umfassenden Versuch dar, den negativen Folgen von gesellschaftlicher Umverteilung, Armut und sozialräumlicher Polarisierung in Städten entgegen zu wirken. Das Phänomen der Herausbildung von ganzen Stadtteilen mit größeren sozialen Problemlagen hatte Ende der 1970er bis in 1980er Jahre eingesetzt und war eine mittelbare Folge der ersten wirtschaftlichen Krisen und des problematischer werdenden Arbeitsmarktes.

Nach dem Regierungswechsel von 1998 war damit begonnen worden das Programm „Soziale Stadt“ zu einem eigenständigen Programm mit eigener wissenschaftlicher Begleitung zu machen. Neben dem Programmstart auf nationaler Ebene startete die EU ihre Initiative URBAN. Das Konzept für das Programm „Soziale Stadt“ war in den 1990er Jahren schrittweise aus den Erfahrungen in der Städtesanierungspraxis entstanden. Man hatte erkannt, dass den komplexen Problemen nur mit einem ganzheitlichen, integrativen Ansatz beizukommen war. Vorgänger des neuen umfassenden Konzeptes waren unterschiedliche lokale Initiativen gewesen, in denen Kommunen und Wohnungsbauunternehmen sich der verstärkenden Probleme in Quartieren und Stadtteilen annahmen. Sogenannte integrative Handlungskonzepte, bei denen Aufgaben ressortübergreifend und koordiniert angegangen werden sollen, sind in den 1990er Jahren zu einer Art Mode geworden. Sie finden sich in mehreren Bereichen, wie z.B. auch im Bereich des Stadtmarketings. In Zeiten von großer Finanzknappheit bei Bund, Ländern und Kommunen verspricht man sich von integrativen Handlungskonzepten eine möglichst abgestimmte und somit konfliktarme und kostengünstige Bewältigung von Aufgaben. Die Forderung nach integrativen Handlungskonzepten steht auch im Zusammenhang mit der Entwicklung und der Umsetzung der „Lokalen Agenda 21“. Diese geht zurück auf die „Agenda 21“, welche weltweit das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung in Ökologie, Ökonomie und Politik vorgeben soll, und die bei den Weltkonferenzen 1992 in Rio de Janeiro und 1996 in Istanbul entwickelt worden war. Im Bereich des Städtebaus und der regionalen Entwicklung bedeutet dies, dass bei Planungen und deren Umsetzung möglichst alle relevanten Akteure beteiligt werden und deren Handeln untereinander koordiniert wird.

Wie bei so vielen anderen öffentlichen Maßnahmen und Programmen gibt es auch zum Programm „Soziale Stadt“ sowohl Kritik als auch Zustimmung. Lobend kann man so z.B. hervorheben, dass innerhalb des Konzepts alle erdenklichen lokalen Potentiale koordiniert und genutzt werden sollen und gegenüber früheren Bemühungen die angesprochenen Bevölkerungsgruppen mit in die Gestaltung von Maßnahmen eingebunden und zur aktiven Selbsthilfe motiviert werden. Kritisch hingegen könnte man anmerken, dass das Programm eigentlich nur ein mittelfristiges Flickwerk und politisch werbewirksames Almosen im Rahmen einer gesellschaftlichen Entwicklung ist, deren Verlauf nicht für die Erreichung der Ziele des Programms förderlich ist. Diese Entwicklung tendiert zu einer Umverteilung des Reichtums mehr und mehr zu Gunsten derjenigen, die schon über die größten Teile davon verfügen. Aus der Perspektive dieser grundsätzlichen Kritik wird diese Entwicklung vielleicht mit den Schlagworten „Leeres Wort des Armen Rechte, leeres Wort des Reichen Pflicht...“ am plakativsten charakterisiert.

Bei allen Bewertungen des Programms, das an sich selbst sehr hohe Ansprüche stellt, muss man sich immer vor Augen halten, dass sich sein Konzept in einer fortlaufenden Entwicklungsphase befindet. Demnach wäre es unberechtigt Schwachstellen zu hart zu kritisieren. Alle Beschreibungen in dieser Arbeit haben in Bezug auf dieses Programm einen vorläufigen Charakter.

Der Ort der Untersuchung, das „Stadtteilzentrum Grone-Süd e.V.“, ist als Akteur nicht zwingend im allgemeinen Konzept vorgesehen. Jedoch ist der Verein zu einem wichtigen Träger lokaler Gemeinwesenarbeit geworden. In den ersten Monaten der Kontaktaufnahme und der Ausarbeitung des Fragebogens wurde miterlebbar bewusst, dass diese Einrichtung längst nicht nur mit den Herausforderungen der alltäglichen Arbeit konfrontiert ist. Neben seinen eigentlichen Aufgaben hat das Stadtteilzentrum mit Problemen wie Finanznot und Diskontinuität beim Personal zu kämpfen (die Mitarbeiter sind z.T. unbezahlte ABM-Kräfte und / oder ehrenamtliche Idealisten). Viele Angebote sind für die Nutzer nicht umsonst. Teilweise müssen diese auch etwas von sich aus beisteuern, seien es nun Mithilfe oder materielle Sachen. Um in dieser Einrichtung eine standardisierte Nutzerbefragung durchführen zu können, musste auch ich meinen Teil diesbezüglich dort beitragen, indem ich mich bei einigen Veranstaltungen zum Helfen zur Verfügung stellte. Von meiner ersten Vorstellung im Stadtteilzentrum bis hin zur konkreten Durchführung der Befragung vergingen mehrere Monate. In dieser Zeit ergab sich eine Entwicklung, in deren Verlauf das nötige gegenseitige Vertrauen aufgebaut werden konnte und die Arbeitsfragen im gemeinsamen Austausch von Vorschlägen und Erfahrungen entwickelt wurden. Befand ich mich anfänglich noch in einem Alleingang mit meinem Vorhaben, so erkannten die angestellten Mitarbeiterinnen des Stadtteilzentrums bald, dass sowohl ihre Arbeit als auch die Programmbegleitung durch die „Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte Niedersachsen e.V. (LAG)“ ihren Nutzen aus den Ergebnissen einer solchen Untersuchung ziehen könnten. So ergaben sich insofern Synergieeffekte, dass ich Gelegenheit hatte mit Herrn Heribert Simon von der LAG ein Gespräch zu führen und mit ihm meinen Umfragebogen zu besprechen. Ferner unterstützten mich die Mitarbeiter vor Ort nach ihren Möglichkeiten bei der Durchführung der Befragung.

Gang der Untersuchung:

Um eine einführende Einsicht in die Problematik zu geben, wird in Kapitel 1. wird die fortschreitende soziale und räumliche Segregation in Städten und deren Umland thematisiert. Sie ist ursächlich für die Implementierung des Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“.

Im sehr umfassenden Kapitel 2. wird das Programm selbst vorgestellt. Dabei wird auf Ziele, Programmgebiete und Handlungsstrategien eingegangen.

Das Kapitel 3. beschäftigt sich speziell mit dem Göttinger Programmgebiet und der bisherigen Programmumsetzung vor Ort. Damit wird eine Übersicht über die lokalen Zusammenhänge gegeben, innerhalb derer auch das unter 4. vorgestellte Stadtteilzentrum steht.

Im Kapitel 5. werden die in Grone-Süd und im Stadtteilzentrum durchgeführten Kontrollgruppen- und Nutzerbefragungen vorgestellt und ausgewertet.

Das Abschlusskapitel 6. dient einer eigenen kurzen Bewertung des Programms „Soziale Stadt“.

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