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Matthias Zelinger zu Sektorenkopplung

Okt

26

2016

Sektorenkopplung ist ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Energiewende. Welche technischen Fortschritte erwarten Sie hier aus Verbandssicht perspektivisch in den nächsten 10 bis 15 Jahren?

Die notwendigen Fortschritte werden dramatisch sein müssen. Wirkungsgrade, Flexibilität und Kosten der Umwandlung müssen deutlich verbessert werden. Nur so können Anwendungen, die heute nicht aus dem Strombereich versorgt werden, wirtschaftlich von den hier kostengünstigen und relativ einfach zu greifenden erneuerbaren Energien profitieren. Denn wir dürfen nicht vergessen: Transport und Wärme- bzw. Kälteerzeugung brauchen die Sektorkopplung dringend, um zur Erreichung der Klimaziele beitragen zu können.

Die notwendigen Fortschritte werden dramatisch sein müssen.

Bei der Sektorenkopplung muss auf mehrere Steckenpferde gesetzt werden. Doch welche Power-to-X-Technologie hat aus Ihrer Sicht derzeit „die Nase vorn“?

Es gibt nicht die eine Sektorkopplungstechnologie. Am Ende definiert die Nachfrageseite, welche Energieform optimal ist. Aktuell ist sicher Power-to-Heat kombiniert mit flexibler Kraft-Wärme-Koppelung sehr konkret. In vielen Prozessen kann aber Wasserstoff ein attraktiver Energieträger sein und deshalb werden wir hier viele Lösungen sehen. Wenn wir dann an große Volumina denken, wird auch die weitergehende Methanisierung eine Rolle spielen. Insgesamt kommt hier wahnsinnig viel Innovation aus dem Maschinenbau.

Welche Impulse kann das EEG bzw. seine weitere Ausgestaltung für die Speichertechnologie setzen?

Tatsächlich sind Energiespeicher nun in einer Schlüsselrolle und hier muss Innovation gerade auch im Pilot- und Demonstrationsstadium angeschoben werden. Ohne eine eigene Speicherdefinition bzw. zumindest der Klarstellung, dass Speicher keine Letztverbraucher sind, wird jede weitere Regelung erneut Probleme schaffen. Wichtig ist auch, dass alle Regelungen zu zuschaltbaren Lasten oder Experimentierklauseln technologieneutral ausgestaltet werden.

Welche weiteren gesetzlichen Vorgaben müssten Ihrer Meinung nach auf den Weg gebracht werden, um in der Sektorenkopplung entscheidend voranzukommen und Deutschland als Energiewendeland vorne zu halten?

Politisch und im regulatorischen Rahmen muss für alle energierelevanten Sektoren klarwerden, dass es kein „Wegducken“ bei der Emissionsreduktion geben kann, wir haben klare Ziele und langfristige, bindende internationale Verpflichtungen. Es muss mehr passieren. Heute haben wir unterschiedliche Regularien und finanzielle Belastungen der einzelnen Energieträger. Wenn aber erneuerbare Energie am effizientesten eingesetzt werden soll, müssen diese Systeme harmonisiert und ihre Grenzen durchlässig werden. Über allem steht aber die Forderung nach einem Emissionshandel, der wirkliche Innovationssignale setzt und nachhaltig Investitionen in klimafreundliche Technologien anreizt.

Politisch und im regulatorischen Rahmen muss für alle energierelevanten Sektoren klarwerden, dass es kein „Wegducken“ bei der Emissionsreduktion geben kann

Welche Innovationen beobachten Sie außerhalb von Power-to-X, bzw. weisen aus Ihrer Sicht ebenfalls Potential auf?

Zweifellos sind hier zunächst die dramatischen Fortschritte in der Batterietechnologie zu nennen, die eine enorme Kostensenkung ermöglichen. Auch hier spielt der Maschinenbau eine entscheidende Rolle. Daran schließt sich auch die Entwicklung bei Hybridsystemen in vielen Anwendungen an, die thermische Verfahren mit direkter Elektrifizierung verbindet. Weiterhin sehen wir aber auch erhebliche Potentiale bei der Wärmerückgewinnung bzw. in der engen Verflechtung von Industrieprozessen und Gebäudetechnik. Hier werden wir zum Beispiel im Rahmen der SINTEG und Kopernikus-Projekte ganz tolle Lösungen sehen.

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