NETZWERK ENERGIEWENDE JETZT Logo

NETZWERK ENERGIEWENDE JETZT

Landkreis Ebersberg treibt Energiewende in Bürgerhand voran

Okt

05

2014

Das Ziel ist ambitioniert. Bis 2030 will der Landkreis Ebersberg östlich von München „frei von fossilen und anderen endlichen Energieträgern“ sein. Dieses Ziel soll in erster Linie durch Effizienzmaßnahme und Einsparen von Energie erreicht werden. Der verbleibende Anteil an Energie soll dezentral und regenerativ in der Region erzeugt werden. Strukturen schaffen Für das Ziel 2030 und die Energiewende im Landkreis braucht es personelle und finanzielle Ressourcen. Sowohl der Landkreis als auch die einzelnen Kommunen stellen diese zur Verfügung. So haben der Landkreis und auch zwei Gemeinden einen Klimaschutzmanager eingestellt, zwei weitere Gemeinden besetzen ebenfalls solche Stellen. Seit dem 1. September betreibt der Landkreis eine Energieagentur mit zwei Mitarbeitern als gemeinnützige GmbH. Diese soll der Motor für die lokale Umsetzung der Energiewende sein. Die Energieagentur wird Bürger, Unternehmen und Kommunen bei der Umsetzung von Energieeinspar- und -effizienzprojekten sowie der Umstellung auf regenerative Energieerzeugung unterstützen. Derzeit wird für den gesamten Landkreis und seine Gemeinden ein Energienutzungsplan erstellt. Öffentliche Veranstaltungen zur Beteiligung der Akteure in allen Ortschaften zielen auf eine gute Einbindung und Mobilisierung von Bürgern, Kommunen und Unternehmen – und auf ortsangepasste, kreative Lösungen für die Energiewende. REGE eG und BEG – Zwei landkreisweite Genossenschaften Die ökonomisch tragfähigen Projekte sollen mit lokalen oder regionalen Ressourcen geplant, realisiert und insbesondere finanziert werden. Der überwiegende Teil der ökonomisch sinnvollen Projekte soll „vor Ort" in lokaler Eigentümerschaft umgesetzt werden. Zu diesem Zweck wurden zwei landkreisweite Energiegenossenschaften gegründet. Die Regenerative Energie Ebersberg eG (REGE eG) wird als Dachgenossenschaft von 19 Landkreisgemeinden und dem Landkreis selbst getragen. Jede Gemeinde leistete eine Einlage von 5000 Euro. Die Aufgabe der REGE: Kommunale Energieprojekte umzusetzen. In der „Bürgerenergie im Landkreis Ebersberg eG“ (BEG eG) können alle Bürgerinnen und Bürger mitmachen. Sie soll alle anderen Energieprojekte im Landkreis verwirklichen. Daneben gibt es für die Gemeinden Vaterstetten und Zorneding (3e eG) sowie in Markt Schwaben weitere Bürgerenergiegenossenschaften. Zusammenspiel von Landkreis, Kommunen und den beiden Genossenschaften Der Klimaschutzmanager des Landkreises, Hans Gröbmayr, ist einer der beiden Vorstände der REGE eG. Als Bindeglied zu den Kommunen organisiert er regelmäßige Sitzungen eines „Genossenschaftsbeirates“. Dem gehören neben den Vorständen der REGE eG und der BEG eG auch ein Kaufmann sowie weitere Fachleute aus verschiedenen Bereichen an. Dieses Gremium erörtert mögliche Projekte und diskutiert Umsetzungsmöglichkeiten. Jede Genossenschaft kann alleine Projekte umsetzen. Über die Form einer Betreibergesellschaft können Projekte auch gemeinsam angepackt werden. Aktuelle Projekte Die derzeitigen Rahmenbedingungen ermöglichen es kaum noch, „einfache“ nach EEG vergütete Energieprojekte erfolgreich umzusetzen. Beispielsweise sind Photovoltaikanlagen nur noch dann wirtschaftlich, wenn es gelingt, einen hohen Eigenverbrauchsanteil zu generieren. Sowohl die REGE eG als auch die BEG eG haben jeweils ein solches Projekt durchgeführt. Die REGE eG hat für die Kläranlage der Gemeinde Glonn eine 65 kWp-Photovoltaikanlage errichtet, deren Strom zu über 95 Prozent direkt von der Kläranlage selbst verbraucht wird. Die BEG eG baut derzeit ebenfalls eine 40 kWp-Photovoltaikanlage auf der neuen Mehrzweckhalle des Wintersportvereins Glonn. Auch diese Anlage ist so konzipiert, dass ein Großteil des erzeugten Stromes in der Halle selbst verbraucht wird. Allerdings wird das Umfeld zur Umsetzung von Energieprojekten immer komplexer. Die Vorschriften des Kapitalanlagegesetzes, die Ausschreibungen im neuen EEG u.a. erfordern eine sehr professionelle Führungsarbeit in Energiegenossenschaften. Die bringt ehrenamtliche Tätigkeit an ihre Grenzen Aktuelles Beispiel für Effizienzmaßnahmen ist das Eisstadion in Grafing. Mit Zuschüssen von Stadt und Kreis wurde im August die Beleuchtung auf LED umgestellt. Das wird den Stromverbrauch im Stadion um 60 bis 70 Prozent reduzieren, die eingesparten Stromkosten liegen zwischen 7.900 und 9.200 Euro. In 3,8 bis 4,4 Jahren wird sich die Investition von etwa 35.000 Euro amortisiert haben. In Vorbereitung sind derzeit zwei Contracting-Projekte sowie die Gründung eines regionalen Energieversorgungsunternehmens:

  • Die Kälteanlage des Eisstadions des EHC Klostersee soll in einem Genossenschaftsprojekt erneuert werden.
  • In einem Contracting-Projekt werden in der Kreisklinik Ebersberg Beleuchtung, Lüftung, Wärme- und Kältetechnik sowie die Steuerungs- und Anlagentechnik energetisch optimiert.
  • Die kommunal getragene REGE eG plant die Gründung eines regionalen Energieversorgungsunternehmens. Zum Start 2015 soll mit dem Vertrieb von Strom begonnen werden.

Text: Hans Gröbmayr
Klimaschutzmanager des Landkreises Ebersberg
Vorstand Regenerative Energie Ebersberg eG
E-Mail: hans.groebmayr@rege-ebe.de
Zur Website Energiewende Ebersberg Infos zum Landkreis: Der Landkreis Ebersberg östlich von München zählt mit knapp 550 Quadratkilometern zu den kleineren Landkreisen in Deutschland. Mit 131.000 Einwohnern ist die Bevölkerungsdichte überdurchschnittlich.

Kommentar schreiben

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Suche
Ihr Profil
Was sind Tags? Top Tags