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Gastbeitrag: Münchner Stadtrat stellt Hunde unter Naturschutz

Okt

26

2015

hundeföttmaning

Wie in vielen lokalen Medien berichtet wurde, hat der Stadtrat das Naturschutzgebiet „Südliche Fröttmaninger Heide“ beschlossen und dabei den Hund als Gast den Mitgliedern der lokalen Flora und Fauna vorgezogen. Ein Gastkommentar von Ekkehard Pascoe, Bezirksausschuss 12, Vorsitzender im Umwelt- und Verkehrsausschuss.

In einer Entscheidung der Großen Rathauskoalition wurden Änderungen an Regelungen für den Naturschutz in der Fröttmaninger Heide vorgenommen, die Ergebnis eines jahrelangen Abstimmungsprozesses zwischen Naturschutz-Experten und Bürgerschaft war. Sie stellte im Ergebnis einen einigermaßen ausgewogenen – nach Ansicht des BUND, der Bürgerversammlung und des Bezirksauschusses 12, bereits grenzwertigen – Kompromiss zwischen den Belangen des Naturschutzes und dem Freizeitbedürfnis von Menschen und dem Bewegungsdrang von Hunden dar.

 

„Mit der Entforstung von Randbereichen im Süden soll nun eine wichtige Pufferzone des Schutzgebietes entfallen. Verstärkt wird es nun zu massenhaftem „Hundetourismus“ aus dem Stadtgebiet und dem Umland kommen, wenn entsprechende Anreize geschaffen werden, auch, weil eine Stelle zur Erlangung des Hundeführerscheins im Heidehaus etabliert werden soll. Dieses ist der Einführung in die Tier- und Pflanzengesellschaften der Heidelandschaft gewidmet. Nun werden vorrangig die Interessen von Hundehaltern berücksichtigt und gleichzeitig suggeriert, man handle für die Anwohnerschaft.

 

Das ist schlicht falsch. Denn gerade in den Randbereichen der Heidefläche gaben professionelle Hunde-Ausführer mit ihren Hunde-Lieferwägen und der unkontrollierten Freilassung ihrer Hunde-Meuten immer wieder Anlass zu gravierenden Beschwerden der Anwohnerschaft. Diese werden jetzt zunehmen. Mit dem Stadtratsbeschluss ist schließlich, weitgehend unbemerkt, ein Damm gebrochen. Die Hundelobby hat erreicht, dass nunmehr Hunde – Haustiere – mit der zu schützenden Tierwelt gleichgestellt werden. Entsprechende Formulierungen vom „gedeihlichen Miteinander von Mensch und Natur“ hat die prominenteste Hundeführerin der Stadt München, Stadträtin Dr. Menges von der CSU, in die Beschlussvorlage eingeschleust.

 

Hundeschutz gleich Naturschutz? Ein Hund soll ein Tier sein, das es, als wäre es wild und selten, zu schützen gilt? Sollte München hiermit Schule machen, setzte es sich nicht nur über geltende Normen des Artenschutzes (und der FFH-Verordnung) hinweg, sondern grundlegende Einsichten der Naturwissenschaften. Folgender Einlassung des BUND muss man nichts hinzufügen: „Wegen der vielen Hunde wird die geschützte Heide nicht mehr von Schafen beweidet, deshalb bildet sich ein starker Grasfilz aus, die besonderen Lebensräume, Kalkmagerrasen mit sehr seltenem Fransenenzian, verschwinden. Die durch den Hundekot aufgedüngten Magerrasen werden über die Jahre zu Wiesen, auf denen nur noch Allerweltsarten wachsen“. Das wäre das Ende des Naturschutzgebietes Fröttmaninger Heide. Dieses Ende will der Stadtrat nun herbeiführen. Es bleibt zu hoffen, das ihm die Rechtsaufsicht, die Regierung von Oberbayern, einen Strich durch die Rechnung macht.“

 

Fotocredit: Flickr/Maja Dumat

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