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Arbeitsschutz: Ein Serviceeinsatz war dann erfolgreich, wenn die Mitarbeiter wieder gesund bei ihren Familien ankommen

Nov

23

2015

Aufzüge in Windenergieanlagen sind keine Fassadenbefahranlagen

Zu Beginn informierte Thoralf Lorenz , Technischer Aufsichtsbeamte bei der BG ETEM über die Neuerungen der Betriebssicherheitsverordnung. In seinem Vortrag stellte er eines klar: Fahrstühle in Windenergieanlagen sind keine Fassadenaufzüge: „Aufzüge in Windkraftanlagen dienen in erster Linie dazu, Personen und Arbeitsmittel vom Turmfuß in die Gondel und zurück zu transportieren. Die Tatsache, dass von einer Arbeitsbühne an der Innenseite der Fassade Arbeiten ausgeführt werden können, macht den Aufzug nicht zu einer Fassadenbefahranlage." so  Thoralf Lorenz. Das darauffolgende Raunen im Saal machte deutlich: In diesem Punkt hatte die Branche sich eine andere Aussage erhofft. Nun müssen alle Aufzüge bis 2020 mit einem 2-Wege-Kommunikationssystem ausgestattet werden. Kreative Vorschläge, wie das Deponieren von Handys im Aufzug, wurden gleich vor Ort entwickelt. Welche Systeme sich jedoch auf dem Markt durchsetzen werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Aufzüge in Windkraftanlagen dienen in erster Linie dazu, Personen und Arbeitsmittel vom Turmfuß in die Gondel und zurück zu transportieren. Die Tatsache, dass von einer Arbeitsbühne an der Innenseite der Fassade Arbeiten ausgeführt werden können, macht den Aufzug nicht zu einer Fassadenbefahranlage.

Gefährdungsbeurteilung als zentraler Baustein

Auch die Gefährdungsbeurteilung ist noch kein Standardprozess. Dieter Roas, von der TÜV SÜD Industrie Service GmbH, ging in seinem Vortrag detailliert auf das Thema ein. Die Gefährdungsbeurteilung ist der zentrale Baustein im Arbeitsschutz. Dies zeigte sich auch an der regen Diskussion nach dem Vortrag. Viele Servicedienstleister und Betriebsführer regten an, die Hersteller beim der Informationsbereitstellung für die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung mehr in die Pflicht zu nehmen.

Nach der Kaffeepause wurde es praktischer. Dinah Timmerhus, Kaufmännische Leiterin der UTW Dienstleistung GmbH, stellte den Ablauf einer Sicherheitsbewertung vor. Sie erläuterte die Prüffristen, welche aus der DGUV Vorschrift 3 resultieren und erinnerte noch einmal daran, dass diese Fristen auch in der Gefährdungsbeurteilung festgelegt werden müssen. Sie stellte klar, dass die Betreiber für die Einhaltung dieser Fristen verantwortlich sind.

Verantwortlichkeiten klar reglen

Verantwortlichkeiten standen auch im Fokus des nächsten Vortrages. Uwe Herzig, Mitglied im Vorstand des BWE Betriebsführerbeirats und Geschäftsführer der ibE  Betrieb GmbH appellierte an die Teilnehmer, die Anlagenverantwortung und die Unternehmerpflichten genau zu regeln.

Er nahm Bezug auf die Norm DIN VDE 0105-100:2015-10, welche für das Bedienen von allen Arbeiten an elektrischen Anlagen gilt. In seinem Vortag wurde deutlich, wie sehr sich die Branche in den letzten Jahren gewandelt hat. Mit der Größe der Anlagen sind auch die Strukturen gewachsen. Was früher oft in Personalunion erledigt wurde, wird heute auf viele Schultern verteilt. Daher sind richtige Kommunikationsstrukturen ein Schlüssel zum Erfolg.

Uwe Herzig berichtetr außerdem aus den verschiedenen Arbeitskreisen und stellte die Veröffentlichung einer „Handlungsempfehlung“  im Bereich Analgenverantwortung zu Ende nächsten Jahres in Aussicht.

Anlagenverantwortung geht mit Haftung einher

Dass Ingenieure und Anwälte nicht immer die selbe Sprache sprechen, stellte die nachfolgende Rednerin fest. In ihrem lebhaften Vortrag regte Martina Beese, Rechtsanwältin bei Engemann & Partner, an, die Begrifflichkeiten in der Normung mehr an die Praxis anzupassen. "Würde der Anlagenverantwortliche schlicht Anlagenzuständiger heißen, wäre der Begriff nicht so mit Angst vor Verantwortung besetzt", stellte Beese fest.

Sie informierte die Teilnehmer über die juristischen Aspekte der Arbeitssicherheit und machte noch einmal klar: Ist die Verantwortung nicht geregelt, übernimmt automatisch der Betreiber die Haftung.

Zum Ende des Tages trafen sich Vertreter der verschiedensten Bereiche der Windenergie noch einmal auf dem Podium zur Diskussion.

Besonders die Hersteller waren gefragt: Wie ist es mit der Anlagendokumentation? Wie steht es um die Kooperationsbereitschaft seitens der Hersteller bezüglich der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung? Zumindest Enercon machte Hoffnung bei der Gefährdungsbeurteilung aktiv mitzuarbeiten und Unterlagen zur Verfügung zu stellen.

"Würde der  Anlagenverantwortliche schlicht Anlagenzuständiger heißen, wäre der Begriff nicht so mit Angst vor Verantwortung besetzt"

Gerald Riedel, Vorsitzender des Betriebsführer Beirats des BWE und Moderator des Praxistages, bedankte sich am Schluss des Tages bei allen Teilnehmern für das große Interesse und die gute Diskussion. Sein Fazit: Anlagenverantwortung  und Arbeitssicherheit sind Bereiche, wo noch viel Aufklärungsbedarf besteht. Er machte noch einmal klar, dass Arbeitsschutz nicht die Arbeit, sondern den Menschen schützen soll: Ein Serviceeinsatz war dann erfolgreich, wenn die Mitarbeiter wieder gesund bei ihren Familien ankommen“,  gab er den Teilnehmern als Erinnerung mit auf den Weg.

WID intern

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