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12. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention zur Biologischen Vielfalt

Okt

06

2014

2010 einigten sich die Staaten auf der COP10 in Nagoya auf die Verabschiedung des Strategischen Plans 2011-2020. Dieser Plan besteht aus zwanzig sogenannten Aichi Targets und gibt den Rahmen für die globale Biodiversitätspolitik bis 2020 vor. Vier Jahre später soll nun auf der COP12 in Südkorea eine Zwischenbilanz gezogen werden.

Heute wurde auf der COP auch der 4. Global Biodiversity Oultook (GBO4) vorgestellt. Der GBO4 ist ein wissenschaftlicher Sachstandsbericht, welcher anhand von verschiedenen Untersuchungen einen Überblick zum globalen Zustand der biologischen Vielfalt liefert. Die Botschaft ist eindeutig: Obwohl es in einigen Bereichen, wie z.B. der Ausweisung von Schutzgebieten an Land, Fortschritte gegeben hat, werden mit den heutigen Maßnahmen die Ziele des Strategischen Plans klar verfehlt werden. Zusätzliche Anstrengungen sind nötig um die Aichi-Ziele erreichen zu können.

CBD-Exekutiv-Sekretär Braulio Dias sagte bei der Vorstellung des GBO4 heute: "Die Länder müssen und können die Anstrengungen zur Umsetzung des Strategischen steigern. Das weltweite Bewusstsein für die Verbindung zwischen dem Schutz der biologischen Vielfalt und nachhaltiger Entwicklung wird immer stärker. Immer mehr Menschen und Regierungen verstehen, dass Maßnahmen zum Biodiversitätsschutz ebenso der Nahrungssicherheit, der öffentlichen Gesundheit sowie dem Zugang zu sauberen Trinkwasser dienen."

Eine besonders kritische Bilanz zieht der GBO4 bei Aichi Target No. 5, welches die Halbierung der Verlustrate von natürlichen Lebensräumen vorsieht. Hier hat sich seit 2010 kaum etwas getan und es ist davon auszugehen, dass dieser Trend bis 2020 zur weiteren Zerstörung von natürlichen Lebensräumen führen wird. Dies führt auch dazu, dass die Bilanz bei Aichi Target No 12 (Vermeidung des Aussterbens von bekannten bedrohten Arten und Verbesserung ihres Schutzstatus) ebenfalls sehr schlecht ausfällt.

Vor diesem Hintergrund kommt den Verhandlungen über die Pyeongchang-Roadmap besondere Bedeutung zu. Allerdings werden die aktuellen Textentwürfe von vielen NGO-Vertretern sehr kritisch gesehen. So wird z.B. die wichtige Rolle von Frauen, indigenen Bevölkerungsgruppen und lokalen Gemeinschaften vollkommen ignoriert. Hingegen konzentriert sich der Textentwurf mehr auf die Stärkung von Partnerschaften mit der Industrie und Wirtschaftsunternehmen, ohne jedoch irgendwelche Vorgaben zur Transparenz etc. zu machen. Auch Verweise auf die Notwendigkeit, die Finanzierungsmittel für den globalen Biodiversitätsschutz zu steigern, fehlen im Entwurf der Pyeongchang-Roadmap völlig. Besonders problematisch ist jedoch der Abschnitt zur Rolle der Landwirtschaft, welcher eine "effizientere Landwirtschaft" fordert und zur besseren Nutzung von Düngemitteln, Pestiziden und Wasser aufruft. Von nachhaltiger Landwirtschaft keine Spur. Weiterhin befürchten zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen, dass die Pyeongchang-Roadmap von den eigentlichen Aufgaben, der Erreichung der Aichi-Ziele, ablenken könnte und die Ziele des Strategischen Plans de facto neuverhandelt werden könnten. Es ist daher von zentraler Bedeutung, dass die Konferenz die bestehenden COP-Beschlüsse stärkt, Lücken bei der Umsetzung identifiziert und Einigung über konkrete Maßnahmen zur Beschleunigung der Umsetzung erzielt werden kann.

Es wird spannend in welche Richtung sich die Pyeongchang Roadmap in den kommenden beiden Wochen entwickeln wird und ob die COP12 ihrem Motto "Biodiversität für nachhaltige Entwicklung" gerecht werden wird.

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